Strahlende Bilanz nach den Deutschen Meisterschaften: 13 Gold- und sieben Silbermedaillen im Saarland geholt – Leichtathleten ragen heraus – Zweimal Edelmetall auch für die Fußballer

Irchenrieth/Saarbrücken. Sechs Tage, 4000 Athleten, 27 Disziplinen und die Sportler sowie deren Betreuer des RehaSport-Vereines des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) Irchenrieth mittendrin und zudem äußerst erfolgreich: Das ist kurz zusammengefasst die Bilanz der nationalen Spiele der Special Olympics im Saarland Mitte Juni, aus denen die Nordoberpfälzer mit insgesamt 13 Gold- und sieben Silbermedaillen mitbrachten. „Unsere 54 Athleten waren damit ungemein erfolgreich. Alleine schon in der Leichtathletik haben wir vier Goldene und drei Silberne mehr gewonnen als im Vergleich zu den letzten nationalen Wettkämpfen in Berlin im Jahr 2022“, freut sich HPZ-Delegationsleiter und Förderstätten-Chef Thomas Fritsch.

Es war für HPZ-Teilnehmer somit nicht nur rein von den Resultaten her eine hochemotionale Woche, sondern auch das gesamte Drumherum des größten inklusiven Sport-Events in Deutschland begeisterte. Angefangen von der stimmungsvollen Eröffnung im Saarbrückener Ludwigsparkstadion, die von Daniela Ulbing, Lilly Maieron (Tänzerin und Inklusionsbotschafterin) und Mark Solomeyer (Badminton-Gold bei den World Games 2007) moderiert wurde.

Dieses Jahr nahmen Athleten aus allen 16 Landesverbänden teil. Die Delegationen zogen in einer feierlichen Zeremonie ins Stadion ein. Dazu kamen zwölf internationale Delegationen, etwa aus Frankreich, Italien und Ungarn. Live-Musik gab es von der Saarbrücker Band „Dynamic Lounge“. Der Höhepunkt der Eröffnungsfeier war natürlich das Entzünden der Special-Olympics-Flamme.

Die letzte Etappe der „Flamme der Hoffnung“ bestritten dabei Hanna Hohe und Jesse Veit. Sie die Athletin, er der Unified-Partner, gemeinsam Teil eines inklusiven Basketball-Teams bei den Wettbewerben im Saarland. Bei den nationalen Spielen nahmen die meisten Athleten in diesem Jahr in der Leichtathletik und beim Schwimmen teil.

Ebenfalls Teil der Special Olympics: Boccia, Bowling und der Kraftdreikampf (eine Form des Gewichthebens aus Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben). In Teamsportarten gab es wie immer eine Besonderheit: Hier traten inklusive Mannschaften gegeneinander an. Die bestehen zur Hälfte aus Special-Olympics-Athleten mit und zur anderen Hälfte aus Partnern ohne Beeinträchtigung.

Nicht zu vergessen das äußerst umfangreiche Drumherum, bei dem u. a. das Programm „Healthy Athletes® – Gesunde Athlet*innen“ präsentiert wurde. Dabei handelt es sich um ein umfassendes Gesundheitsprojekt von Special Olympics Deutschland, das kostenlose Kontrolluntersuchungen, Beratung und Aufklärung in barrierefreien, stressfreien Umgebungen für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung anbietet.

Die HPZ-Delegation bestand aus 31 Sportlern, neun Unified-Partnern und zwölf Trainern (davon zwei Coaches mit Einschränkungen). Sie teilten sich in die Sportarten Boccia (2 Athleten), Frauenfußball (9), Männer-Fußball (12), Schwimmen (1), Leichtathletik (13) und dem wettbewerbsfreien Angebot (4) auf. Letzterer Wettbewerb, der WBFA, ist speziell für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung ausgelegt, die (noch) nicht an regulären Wettkämpfen teilnehmen können, sowie für alle Interessierten.

Hier galt es, verschiedene Stationen wie Riesenmikado, Kegelparcours, Dribbling oder Sinneserfahrungen zu bewältigen „Es soll dabei kein Leistungsdruck aufgebaut werden. Der Fokus liegt rein auf dem Spaß an der Bewegung und dem eigenen Körpergefühl“, weiß Fritsch. Und das Tolle dabei: Am Ende erhalten alle Teilnehmer bei einer Siegerehrung eine Teilnehmerschleife oder eine Medaille.

Das HPZ war mit sieben Bussen, einem Caddy und einem PKW angereist. Untergebracht waren die Delegation, ihre Unified-Partner sowie ihre Betreuer in der Gemeinde Großrosseln in der Rosseltal-Halle, einer Veranstaltungshalle. „Die Gemeinde hat uns phänomenal aufgenommen, die Schlafplätze waren mit Feldbetten vom Deutschen Roten Kreuz vorbereitet, Public Viewing der Fußball-WM war möglich“, blickt Fritsch dankend zurück.

Zudem gab es dort z. B. einen Empfang am Sonntag durch die Feuerwehr mit Grillen, ein weiteres buntes Rahmenprogramm oder jeden Morgen ab 6.30 Uhr das Frühstück durch die Helfer. „Für uns war die herzliche Aufnahme der Großrosselner ein echter Höhepunkt der Spiele. Die Menschen aus der Gemeinde, die vom nicht mehr vorhandenem Bergbau geprägt gewesen war, waren freundlich, hilfsbereit und ungemein gesellig“, lobt der HPZ-Delegationsleiter deren außergewöhnliches Engagement.

Apropos Fazit: Hier zieht Fritsch, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, ein durchwegs positives: Für den RehaSport-Verein und das HPZ seien die Spiele im Saarland die bislang schönsten gewesen, was Aufnahme, Unterkunft oder Wertschätzung betreffe. Die Saarländer hätten da als Bundesland das sehr gut gemacht. Sportlich sei die Leistung der HPZ-Athleten ebenfalls „Deutsche-Meisterschaft-Like“ gewesen. Alle Athleten und Unified-Partner hätten sehr konzentrierte Wettkämpfe abgeliefert. „Und vor allem die Leichtathleten haben geliefert“, jubelt Fritsch noch heute.

Aber – kein Licht ohne Schatten: Für ihn als Fußball-Coach sei die Organisation der Fußball-Turniere ein großes Manko gewesen. Das hätte mit der Ausschreibung zum Schluss nicht mehr entsprochen. So habe die Organisation z. B. die Spiele wegen der großen Hitze von zweimal 20 auf zweimal zehn Minuten gekürzt, garniert mit einer Trinkpause nach jeweils fünf Minuten: „Das hatte mit Fußball und Spielfluss dann nichts mehr zu tun“, resümiert Fritsch.

Als weiteres Beispiel nennt er die Klassifikation, bei der herausgefunden wird, wie stark die jeweiligen Teams sind, die dann, ähnlich wie bei den Paralympics, in sogenannte Leistungsklassen eingeteilt werden. Unterm Strich sei bei den Fußball-Frauen und -Herren durch die verkürzte Matchdauer und aufgrund kurzfristig dazu gekommener Spielplanänderungen mit dem Hinzufügen weiterer Partien der Fokus seiner Meinung nach in keinster Weise mehr auf dem Sport gelegen. Vielmehr sei die vermeintliche Gefahr durch die Hitze in den Mittelpunkt gerückt. „Es waren ja immerhin deutsche Meisterschaften und die Teams waren präpariert und trainiert. Wir fahren beispielsweise 450 Kilometer, um dann in zweimal zehn Minuten um Medaillen zu spielen – das ist unverständlich und hat nicht so wirklich gepasst“, so Fritsch abschließend. St. Landgraf

Die Medaillengewinner des HPZ-RehaSport-Vereines im Überblick:

Leichtathletik: Anna-Maria Arnold (2x Gold in der 4×50-Meter-Pendelstaffel und im 50-Meter-Lauf), Andrea Biehler (Silber im 200g-Ballwurf und 4. Platz im 50-Meter-Lauf), Stephanie Berr (Gold im 50-Meter-Lauf), Susanne Pichl (Gold in der 4x 50-Meter-Pendelstaffel, Silber im 200g-Ballwurd und 6. Platz im 50-Meter-Lauf), Martina Hasenfürter (Gold im 200g-Ballwurf), Martina Rokosch (2x Gold in der 4×50-Meter-Pendelstaffel und im 200g-Ballwurf, 6. Platz im 50-Meter-Lauf), Andreas Müllner (2x Gold in der 4×50-Meter-Pendelstaffel und im 50-Meter-Lauf, Silber im 200g-Ballwurf), Markus Schottenheim (5. Platz in der 4×100-Meter-Staffel, 7. Platz über 100 Meter und 6. Platz im Kugelstoßen), Maria König (2x Gold über 100 Meter und im 200g-Ballwurf und 5. Platz in der 4×100-Meter-Staffel), Patricia Saller (2x Gold über 100 Meter und im Kugelstoßen, 5. Platz in der 4×100-Meter-Staffel), Ingrid Frey (2x Silber über 100 Meter und im Kugelstoßen), Martin Rothbauer (jeweils 5. Platz in der 4×100-Meter-Staffel und im 200g-Ball-Wurf, 6. Platz über 100 Meter), Christian Hübner (Silber über 100 Meter und 6. Platz im Kugelstoßen).

Boccia: Johannes Brandl (Gold), Sonja Krause (5. Platz).

Schwimmen: Michael Neugebauer (5. Platz über 25 Meter und 8. Platz über 50 Meter nach Disqualifikation wegen Nichtanschlagens).

Fußball: Unified Frauen (Gold), Unified Männer (Silber).